Tage und Nächte auf Europas größtem Lkw-Rastplatz
 

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Vier Hochzeiten und kein Todesfall

Truck Stop Geiselwind



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Mondän!


Ein Film von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus

Aus der ARD-Reihe "Unter deutschen Dächern"

Nominiert für den Deutschen Fernsehpreis 1999 (Reportagen, Top 3)

Erstausstrahlung: 16. 12. 1998, 21.45 Uhr, ARD

45 Minuten

Kamera: Thomas Schäfer
Schnitt: Jörg Wegner

Redaktion: Michael Geyer (Radio Bremen)

Für den Lkw-Piloten sind nicht Barcelona, Paris und Berlin die Eckpunkte seiner paneuropäischen Asphalt-Routen, sondern Ellwangen, Sittensen und Geiselwind. Seit die Warenmärkte immer globaler werden und sich die Lastwagen ungehindert von "eisernen Vorhängen" quer durch Europa bewegen können, ist am Ortsrand des unterfränkischen 800-Seelen-Dorfes Geiselwind der größte "Autohof" Europas entstanden. Wie in einer Hafenstadt laufen hier die Menschen und die Ladungen ein - für einen kurzen Aufenthalt oder acht Stunden Pflicht-Schlaf.
200 Meter hinter der A 3 - Ausfahrt Geiselwind liegt einer der Autohöfe, die in den letzten zehn Jahren entlang der Autobahnen entstanden sind. Längst hätten die normalen Raststätten keinen Platz mehr, die zahllos gewordenen rollenden Lagerhäuser noch aufzunehmen. Beim Strohofer Toni in Geiselwind parken nachts bis zu 1000 Trucker zur gleichen Zeit ihre 40-Tonnen-Vehikel. Um zu tanken, zur Toilette zu gehen, eine Dusche zu nehmen, Koteletts und Schnitzel mit Pommes-frites-Gebirgen zu bestellen, mit den Kollegen immer nur über das Fahren und die neuesten Polizei-Schikanen zu reden und sich anschließend mit dem Soft-Porno aus der Tankstellen-Boutique in die Schlafkajüte ihres Brummis zu legen.
Die Wirtschafts-Philosophie des "just-in-time" hat ein europaweites Nomadentum der Trucker entstehen lassen. Die Autohöfe, entlang der wichtigen europäischen Fernverkehrsadern in die Prärien gestampft, sind die Lagerplätze für Waren, die die Unternehmen nicht mehr in eigenen Lagerhallen lagern wollen, sondern die sie sich "gerade-zur-rechten-Zeit" liefern lassen. Und sie sind Lagerplätze der Menschen, die unsere Wünsche nach frischen Erdbeeren mitten im Dezember, mit einem postmodernen Lebensstil bezahlen. Wie Klaus Huber, der nach Athen umgezogen ist, um seine Frau wenigstens ab und zu zu sehen. Oder Kerstin Pos, die ihre Wohnung aufgegeben hat und nur noch unterwegs ist.
Der Autohof von Geiselwind im Steigerwald ist wie eine Hafenstadt ohne Romantik, am schnellen Strom der Waren und der Pferdestärken. Reduziert auf das Nötigste, auf die Befriedigung der Bedürfnisse von Durchreisenden. Eine Neon-Oase für den eiligen, knapp bezahlten Lastwagen-Fahrer, der nach den gesetzlich vorgeschriebenen Stunden Schlaf weiterbrettert und morgen oder übermorgen mit der Retoure wieder den Hafen von Geiselwind ansteuert, wo er Colin aus England, Fazli aus der Türkei und Ion den Rumänen wiedertrifft. Und der ständig seinen Spediteur im Nacken spürt, der pünktliche Lieferung und Unmögliches sofort verlangt.
TRUCK STOP GEISELWIND - ein Film über den Geruch von Diesel und Reifengummi beim Einschlafen. Über den Verlust von Zuhause und die Veränderung der Welt, wo alles mobil, nüchtern, effizient sein soll - und der Leberkäse im Rasthof von Geiselwind so tut, als sei er ein Stück regionaler Identität. Ein Film darüber, was die moderne Mobilität und der Zwang zum Rationalen aus dem Leben der Menschen macht.

Einschaltquoten der Erstsendung: 3,7 Mio. / 14,5 % Marktanteil
Weitere Ausstrahlungen: Arte, 3 SAT (zweimal), ORB3, Hessen3, Nord3, B1 (SFB), Südwest 3