Zwischen Sumo, rohem Fisch und Suchmaschinen
 





Mitwirkende:

Masayoshi Son (Präsident des Internet-Imperiums "Softbank", reichster Mann Japans)
Joichi Ito (Internet-Millionär)
Izumi Ogino (Mode-Designerin "Anteprima")
Shu Ueyama (Unternehmer)
Norito Ohga (SONY)
Akira, Pamela und Hanae Mori (Mode-Tycoons)
Paul Tange (Star-Architekt)
Johnnie Walker (Broker und Kunst-Mäzen)
Takeshi Kobayashi (Thunfisch-Tycoon)
u.v.a.m.

Ein Film von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus
sowie Francesca D‘Amicis

Erstausstrahlung: 21. November 1999, 22.30 Uhr, ZDF
45 Minuten

Kamera: Barnie Beckschulte

Schnitt: Jörg Wegner

Mitarbeit: Roland Hagenberg, Karl Neubert, Ralf Hoppe

Redaktion: Peter Arens

Nirgendwo hat Wohlstand ein fremderes Gesicht als in Tokio. Nur die Ginza, eine der legendärsten Einkaufsstraßen der Welt, sieht halbwegs aus wie die Nobel-Shoppingmeilen rund um den Erdball. Und die Luxus-Golfplätze (Aufnahmegebühr bis zu 1,5 Millionen Dollar) sind genauso grün und gepflegt wie in anderen Wohlstands-Oasen auch. Ansonsten versteckt sich Reichtum in Tokio hinter hohen Mauern oder bröckelnden Betonfassaden, in unscheinbaren Reihenhäuschen und grauen Wolkenkratzern. Doch selbst das unauffällige Leben in der teuersten Metropole der Welt hat seinen Preis. Wohnen im Eigenheim zählt zum größten Luxus in Tokio.
Selfmade-Millionär Shu Ueyama hat seins aus Neu-England/USA komplett importieren lassen - ein himmelblaues Holzhaus mit Parkplatz vor der Tür. Das Eigenheim des PR-Strategen und Hobby-Golfers fällt dermaßen aus der Reihe, daß jeden Tag ein paar Tokioter Fotos davon schießen. Der Erfinder der SONY-Walkmen-Kampagne und Berater von Maggie Thatcher und Richard Branson hat lange genug im Ausland gelebt, um sich derlei Extravaganzen leisten zu können.
Ioicho Ito dagegen, Software-Millionär, Patenkind von Timothy Leary und Sproß von japanischem Hochadel, verdankt den Nonkonformismus, mit dem er sein Internet-Imperium rund um Infoseek Japan aufgebaut hat, dem gesellschaftlichem Status seiner Samurai-Vorfahren. "Bei meinem Hintergrund", lächelt das inzwischen 30jährige Computer-Wunderkind, "geht jeder davon aus, daß ich Japan und der japanischen Gesellschaft niemals schaden würde, selbst wenn ich mich ungewöhnlich benehme." Seinem Gegenspieler Masayoshi Son, derzeit reichster Mann Japans, geht es genau umgekehrt: Son gehört fast ein Zehntel des Internets - aber als Sohn koreanischer Einwanderer bleibt er immer ein suspekter Emporkömmling.
"Mondän! - Tokio" gibt deutschen Fernsehzuschauern einen Einblick in ein Leben in engen Grenzen, in eine Welt, in der Manager noch das Gesicht verlieren, wenn sie Verluste machen, in der Luxus im Detail liegt, in Oasen der Ruhe und der Strenge des Designs. In eine Welt, in der Akira Mori, Sohn der Modezarin Hanae Mori und Ehemann eines amerikanischen Ex-Models, einen Sumo-Stall sponsert, in Grundschulturnhallen zum konspirativen Schwertkampftraining geht und grünen Nagellack für seine Tochter kauft. Wo Izumi Ogino, Fashion-Globetrotterin mit Wohnsitzen in Tokio, Hongkong und Mailand, historische Kimonos sammelt, von denen etliche soviel kosten wie ein japanischer Kleinwagen, und am Wochenende im Mercedes-Cabrio zum Relaxen ins Riokan rauscht, der sehr japanischen Version des Romantikhotels.
Norito Ohga dagegen, Vorstands-Boss von SONY, erholt sich von den Mühen in den Chefetagen eines Weltkonzerns beim Sinfonischen Konzert in der Betriebskantine. Der Konzernchef dirigiert auch hier noch selbst. Mal ein Wiener Sinfonieorchester, mal das eigene Firmenorchester. Fluchten aus einer Welt der strengen Regeln und des Zwangs zum Erfolg: In eine künstliche Ski-Arena vor den Toren Tokios, auf die eine-Millionen-Dollar-Hochzeit des Thunfischkönigs vom Fischmarkt, mit Premierminister-Tochter Makiko Tanaka zum Shoppen im Supermarkt, mit Managern zum Karaoke. Ein Film über Sumo und Suchmaschinen im Internet, rohen Fisch und Samurais, über eine Gesellschaft zwischen Yen und Zen.

Einschaltquoten der Erstsendung: 1,67 Mio. / 8,8 % Marktanteil
Weitere Ausstrahlungen: Phönix