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"Der kleine SNOB / Le petit SNOB" - Folge 8
  18.Januar 2003, 16.45 Uhr auf ARTE


Beitrag Biolachs:

Die Küste vor der klaren irischen See ist bilderbuch-grün. Wie jeden Freitag ist David Baird auf dem Weg nach Clares Island, seiner Bilderbuchfarm für Zuchtlachse, 7 Kilometer vor der irischen Westküste. David gehört eine von nicht einmal zwei Dutzend Biolachsfarmern weltweit. Der frühere Lachsforscher findet es einfach unangmessen, die zähen Burschen wie Brathähnchen zu mästen - dichtgedrängt in engen Käfigen und vollgepumpt mit Tonnen von Antibiotika.

Seine Lachse leben in klarem Wasser und großzügigen Gehegen in der rauhen irischen See. In 1000 Liter Wasser schwimmen maximal 10 Kilo Fisch - gegen Ebbe und Flut und im Winter bei bis zu 10 Meter hohen Wellen. Seine Lachse, sagt David, seien durchtrainiert und glücklich. Bis auf freitags vielleicht. Da wird abgefischt.

Lachs ist an sich sehr gesund. Sein musklöses Fleisch enthält wichtige Vitamine, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren, die Blutdruck und Cholesterinspiegel senken. Und genau diese Eigenschaften sind dem muskulösen Hochsee-Lachs zum Verhängnis geworden. Der Bedarf nach Lachs ist expodiert, weil sich viele Menschen heutzutage gesund ernähren wollen. Es gibt aber längst nicht mehr genug Wildlachs. Und so hat die Fischindustrie den König der Fische im Laufe der Jahre zum Mastschwein des Meeres gemacht. Tausende von Fischfabriken werfen jedes Jahr 650.000 Tonnen Lachs auf den Markt. Seit die Norweger vor 30 Jahren mit der Lachszucht begonnen haben, hat die Fischindustrie ihre Erträge alle vier Jahre verdoppelt. Sie zwängt die Vielschwimmer in küstennahe Gehegen zusammen wie Hühner in Legebatterien und mästet sie mit Turbofutter und rund 30 erlaubten chemischen Zusatzstoffen möglichst schnell zur Schlachtreife. Ein 4 Kilo schwerer Zuchtlachs hat dann rund 400 Gramm Antibiotika intus, um die Massentierhaltung zu überleben. Und so kursierte lange der Scherz: Hast Du Grippe, iß ein Stück Lachs.

Vor Clare Island werden jedes Jahr 250 Tonnen Biolachs "geerntet", ein Kleckerbetrag im Weltmaßstab. Die fast doppelt so teuren Biolachse sind in der Minderheit - weil Verbraucher noch nicht realisiert haben, daß ein anständiges Lachsleben seinen Preis hat. Der Ökolachs verhält sich zum Industrielachs wie ein durchtrainierter Outdoor-Typ zum verfetteten Stubenhocker.

Die wahren Leistungssportler aber sind die Wildlachse. Jeden Herbst kehren sie über Tausende von Kilometern in genau die Flüsse zurück, in denen sie selbst geschlüpft sind. Argwöhnisch beobachtet von Wissenschaftlern, wie Ger Rogan vom Marine Institute Newport in Irland. Um herauszufinden, wieviele Lachse den Fluss heraufkommen, werden Lachsfallen aufgestellt. Die Fische werden markiert und so kann im nächsten Jahr festgestellt werden, wieviele Lachse wieder zurückkommen.

Doch die Rückkehr der Wildlachse fasziniert nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Horden von Hobbyanglern. Doch obwohl deren Fangquoten in den Flüssen reduziert wurden, gehen die Bestände weiter zurück.

Wissenschaftler in allen Lachsländern warnen: Lachsfarmen wurden einst gegründet, um die wilden Bestände vor Überfischung zu schützen. Aber heute verbreiten sie Parasiten und Krankheitserreger, denen Wildlachse ohne Antibiotika nicht gewachsen sind.

In den Luxusgehegen vor Clare Island dagegen wird sogar täglich die Wasserqualität dokumentiert. Die Biolachse werden inzwischen in ganz Europa unter verschiedenen Markennamen vermarktet. Zum Beispiel erkennt man sie am Labe des deutschen Öko-Verbands "Naturland", der seit 1996 auch über die Ernährung der Biolachse wacht.

Sie werden täglich von Hand gefüttert und bekommen weder Hormone, Antiviotika, noch künstliches Eiweiß, sondern Öko-Getreide und Fischmehl nur aus regionalen Speisefisch-Abfällen. Bloß bei der rosa Farbe müssen auch die Ökozüchter nachhelfen: beim Wildlachs entsteht sie durch den Verzehr von Krustentieren, beim Biolachs durch Futterpigmente auf Hefebasis. Lachs ist für den Verbraucher nun mal rosa. Und immerhin hilft die Farbe auch Laien zu erkennen, ob der Lachs noch schwimmen durfte: Dicke weiße Bindegewebe-Streifen im Lachsfleisch deuten ebenso wie Schäden an Flossen, Haut und Schnauze auf zu enge Gehege hin.

Links:
www.biolachs.de
www.naturland.de
www.was-wir-essen.de
www.warentest.de (22 Marken Räucherlachs im Test)


Kraut der Woche:

Estragon, unser Kraut der Woche, stammt aus Rußland, Westasien und dem Himalayagebiet. Die Kreuzritter brachten es bei ihrer Rückkehr mit nach Europa. Und seither hat es beim heiligen Krieg in französischen Gourmet-Küchen mitgeholfen. Die Franzosen nannten ihn auch "Herbe au Dragon" - wegen seiner angeblichen Fähigkeit, Schlangenbisse zu heilen. Worauf man sich allerdings nicht verlassen sollte. Weil Estragon gut roch und gut schmeckte, erfanden die Kreuzritter noch ein paar leckere Rezepte fürs Schlangenkraut: Es gehört in die "Sauce Béarnaise" und die"Sauce Tartar". Und - überraschenderweise - auch in den Estragon-Essig. Fleischgerichten und Fisch, Geflügel und Eierspeisen und Marinaden verleiht er ein elegant süßliches, an Lakritz erinnerndes Aroma. Als Tee oder Duftöl soll er beruhigen und gegen Schlaflosigkeit helfen. Optimisten benutzen Estragonblätter gegen Zahnweh und sogar Kosmetik wird er beigegeben.
Nur der russische Estragon kann allerdings ausgesät werden und übersteht sogar den Winter. Die lieblicheren Sorten aus Deutschland und Frankreich werden durch Wurzelausläufer vermehrt.

Buchtipp:
"Das grosse Lexikon der Heilpflanzen" , Andrew Chevallier, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2001, ISBN: 3-8310-0167-7

"Die Fitness- und Energieküche mit Kräutern", Ursula Braun-Bernhart, Mosaik Verlag München, 2001, ISBN: 3-576-11538-2

"Falken Lexikon der Gewürze", Ulrike Bültjer, Falken Verlag, 1998, ISBN: 3-8068-4980-3

Link:
www.kraeutermaerchen.de


Das Ding von übermorgen::

Der Zusammenhang zwischen Duschkopf und Luftverschmutzung liegt nicht wirklich auf der Hand. Doch es gibt ihn tatsächlich: Luft enthält neben neutralen Molekülen positive oder negative Ionen, die unser Wohlbefinden beeinflussen. In dreckiger Großstadt-Luft schwirren jede Menge positiver Ionen, Meeresluft dagegen enthält mehr negative Kollegen. Und die tun offenbar gut. Der Duschkopf mit dem schicken Namen Aqua-Energiseur macht aus dem langweiligen Duschstrahl einen Regen von Mikrotröpfchen - ähnlich der Meeresgischt. Das reichert die Luft im Bad um bis zu 280% mit negativen Ionen an. Und macht den Duschvorgang zum Strandurlaub für Nase und Lunge.

Mit Sprudel-Tablette oder Algen-Teebeutel im aufschraubbarem Duschkopf läßt sich das Wasser nicht nur himmelblau färben, sondern auch mit Mineralsalzen und Spurenelementen anreichern - für gesalzene 15 Euro pro Wochenration. Dafür fährt man dann nie mehr zur Wellness-Therapie an die bretonische Atlantikküste, wo Duschkopf-Hersteller Daniel Jouvance ein Thalasso-Zentrum betreibt. Der kleine Snob planscht lieber daheim - allein mit sich und seinen Negativ-Ionen.

Link:
www-danieljouvance.ext.fth.net/frmgeneral.asp?LANG=de


Snob appeal:

Was für den Laien wie das Handwerkszeug eines Heavy-Metal-Schlagzeugers aussieht, revolutioniert in Wahrheit die Gewohnheiten an mitteleuropäischen Frühstücktischen. Dort stellt man sich zu früher Stunde die Kardinalfrage: Wie köpfe ich stilvoll mein gekochtes Ei?

Das in jeder Hinsicht elegante Instrument "Clack" ist nun der erste "Eierschalensollbruchstellenverursacher". Der schlagfertige Eierknacker läßt eine Stahlkugel auf eine Metallkappe fallen. Deren scharfer Rand ritzt eine Bruchstelle in die Eierschale. Der Eierkopf läßt sich dann mit einem Messer abheben.

"Clack" wurde von der Take2 Design Agentur in poliertem Edelstahl kreiert. Nach internen Berechnungen benötigt die Kugel 0,181 Sekunden für den Enthauptungs-Vorgang.

Link:
www.take2-design.de










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