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"Der kleine SNOB / Le petit SNOB" - Folge 5
  23.November 2002, 16.45 Uhr auf ARTE


Daunen:

Die besten Gänsedaunen stammen aus Osteuropa, Kanada und Sibirien. Aber auch in Deutschland findet man gute Qualität. Heinz Tapphorn aus Oldenburg züchtet Gänse mit qualitativ hochwertigen Daunen. 170 Gramm Federn und 30 Gramm Daunen liefert ein erwachsener Vogel nach 6 bis 9 Monaten Gänseleben bei Tapphorn. Dafür dürfen seine Gänse dürfen auch jeden Tag auf die Wiese. Würde der Oldenburger seine Decken nicht direkt ab Hof verkaufen, wäre das Feder-Business kaum rentabel. In den Intensivmastfarmen in Osteuropa oder China werden deswegen schon zwei Monate alte Gänse-Teenies gerupft - für Billigbettdecken und -Daunenjacken. Eine wirklich gute Daune ist etwa so gross wie ein Daumen und stammt von einem ausgewachsenen Vogel.

Daunen haben im Gegensatz zu Federn keinen Kiel, sondern sind schneeflocken-zarte, flauschig-leichte Gebilde. Nur Wasservögel wie Gänse und Enten plustern ihr Federkleid mit Daunen gegen die Kälte auf. Und nur Gänse- und Enten-Federn haben die perfekte Krümmung - um wärmeisolierende Hohlräume zu schaffen. Nicht die Feder oder die Daune hält nämlich warm, sondern die Luft dazwischen. 1000 Daunen wiegen gerade mal ein lächerliches Gramm und lassen sich in einer Hand zusammenpressen. Gute Daunen kehren immer wieder unbeschadet in ihren Urspungszustand zurück.

Die Münsterländer Oberbetten-Dynastie Brinkhaus produziert seit 1847 Bettdecken, seit 1950 mit Daunen gefüllt. Bei Brinkhaus gibt es jede gute, handgerupfte Daunensorte zwischen China und Kanada. Vermischt mit Federn, die in Kissen für Stabilität und Belastbarkeit sorgen. Generell gilt: je leichter die Decke, desto höher der Daunenanteil.

700 bis 900 Gramm wiegt eine gute Daunendecke. Nur Experten aber können die Qualität der Füllung ernsthaft beurteilen. Selbst "original ungarische Gänsedaunen" sind von so unterschiedlicher Qualität wie etwa "Bordeaux"-Weine. Schlechte Daunen verlieren bald ihre Bauschkraft und wärmen von Jahr zu Jahr weniger. Gute dagegen bleiben 15 Jahre lang kuschelwarm.

Legendär sind die Eiderenten-Daunen, quasi der Rolls Royce unter den Federn und Daunen. Diese Eiderente ist nur im hohen Norden in Küstengebieten Skandinaviens zu finden, wo es besonders kalt ist. Daher muss auch das Federkleid entsprechend gut sein. Die Daunen werden von lizensierten Spezialisten aus den Nestern wilder Enten gesammelt. Und das Besondere an dieser Ware ist, daß sie klettet, daß sie zusammenhängt, daß sie die Luft sehr schön einschließt. Aussergewöhnliche Qualität hat aber ihren Preis: mit 1500 Euro pro Decke ist die Eiderenten-Daune die teuerste der Welt.

Kleine Tips unter Gänsefreunden: abgeknickte Federn sind ein Beleg für maschinelles Rupfen und nicht zu empfehlen. Recycling-Federn, auch "Couche" genannt, eignen sich zwar als Gartendünger, aber nicht für die Bettdecke. Erst ab einem Volumen-Anteil von einem Drittel Daunen wird die Decke dauerhaft gemütlich - am besten bestätigt durch ein Gütesiegel. Und beim Kauf einer Daunendecke muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie mit dem Qualitätssiegel RAL 092 A2 versehen ist.

Links:
www.vdfi.de
www.edfa-mainz.de/deutsch/dverb.htm
www.brinkhaus.de

Snob appeal: Staubwedel aus Straussenfedern

Straussenfedern haben an sich nur ein Problem: ihren Träger. Der flugunfähige Steppenvogel ist rasendschnell zu Fuß; und deshalb in seiner afrikanischen Heimat meist von einer Staubwolke umgeben - wenn er nicht den Kopf gleich ganz in den Sand steckt. Straussenfedern aber haben aus der Not eine Tugend gemacht: sie ziehen mit Millionen feiner Federfasern und dem darin enthaltenen Öl Staub magisch an. Der Strauß hat deswegen ein gewisses Schmuddel-Image, seine Federn aber sind in den Edelhaushalten Europas heimisch - als Staubwedel. 40 echte Straußenfedern am Holzstiel verankert wischen selbst feinste Staubpartikel von Unterhaltungselektronik, Hängelampen oder zerbrechlichem Nippes. Den Straussenwedel kann man im Internet bestellen.

Link:
www.proidee.de

Ding von Übermorgen: Handykurbel Freecharge

Mit den modernen Kommunikationstechniken ist es immer dasselbe - man braucht sie am dringendsten, wenn keine Steckdose in der Nähe ist. Mobiltelefon-Akkus etwa sind grundsätzlich am Ende, wenn der lebenswichtige Anruf naht - oder man auf der dreimonatigen Regenwald-Expedition den Vermögensberater unbedingt anbimmeln muß.

Die blaue Handykurbel Freecharge lindert nun die Qualen Handy-Süchtiger. Als Fortsetzung des Fahrrad-Dynamos mit anderen Mitteln. Selbst bei der Überquerung des Watzmann kann man also den Akku mit Dauergesprächen ins Büro unbesorgt leer orgeln. Sollte man sich beim Abstieg den Fuß verknacksen, naht dennoch Hilfe. Per Handkurbel läßt sich das Hightech-Handy wieder flott machen.

Mit 230 Gramm wiegt die Kurbel wiegt mehr als manches Netzteil, kommt dafür aber in allen Erdteilen ohne Adapter zurecht. Und 45 Sekunden Kurbeln - für ein 5 Minuten Gespräch - kann nach anstrengenden Telefonaten durchaus etwas Meditatives haben.

So weit die Theorie. Beim Testgerät war der magisch aufgeladene Akku ebenso magisch schnell wieder leer. Ob Bedienungsfehler oder defekter Akku ließ saich - telefonisch - leider nicht mit dem Hersteller klären. Die clevere Kurbel funktioniert zudem nur mit Motorola-Handies. Die guten alten Zeiten des Kurbel-Telefons aus amerikanischen Schwarz-Weiß -Filmen sind also noch nicht so ganz wieder da.

Link:
www.motorola.de

Vongerichten:

Luxusrestaurants gelten seit den 80ern als neue Heimstatt der High Society und entsprechend viel Brimborium wird um sie veranstaltet. Starköche füllen die Klatschpresse und verdienen Millionen. Ihre Restaurants gehen an die Börse. Gourmetkritiker bestimmen die Aktienkurse. Doch nur wenige Küchen-Genies erweisen sich als wertbeständig und kommen einfach nicht aus der Mode - wie Jean-Georges Vongerichten, der King Koch New Yorks.

In New York ist nichts so wichtig wie ein Tisch im richtigen Restaurant. Speziell in Manhattan tut der New Yorker so ziemlich alles, um den einzig wahren Tisch zu ergattern - den Tisch am Fenster oder zumindest am Eingang, wo man von allen anderen gesehen wird.

Doch nichts ist in New York so vergänglich wie der Trend von gestern. Und so verblüfft es um so mehr, daß der "In"-Koch der späten 80er in der Metropole des Fastfood noch immer en vogue ist.

Der Straßburger Jean-Georges Vongerichten legte unter den staunenden Augen der Öffentlichkeit einen Bilderbuch-Aufstieg zum "ewigen" Lieblingskoch hin. Mit 29 ergatterte er seine ersten vier Sterne der New York Times, mittlerweile sind es insgesamt 12 Sterne für vier seiner Restaurants in Manhattan. Vier Sterne allein fürs "Jean-Georges" im Trump Hotel am Central Park.

Heute besitzt Vongerichten neben seinen 5 Restaurants in New York noch 6 weitere Restaurants in London, Hong Kong, Chicago und Las Vegas. Mit "The Mercer Kitchen" im Design-Hotel Mercer in SoHo landete er seinen jüngsten Coup in New York: Er wurde als bisher erster Koch mit gleich zwei Preisen ausgezeichnet - als "best new Restaurant" und als "outstanding chef", beides im selben Jahr.

Gemüse-Sud, Frucht-Essenzen und Kräuter-Vinaigrettes gelten als sein Erfolgsgeheimnis. Daneben aber bietet er gelangweilten New Yorker Gourmets stets neue Revolutiönchen: Im "The Mercer Kitchen" sitzt man zum ersten Mal an langen Gemeinschaftstischen und mit Blick in die offene Küche. Und in seinem allerersten New Yorker Nobel-Bistro "Jojo" servierte er "Höchste Küche an ... Papiertischdecken".

Seine Rezepte werden inzwischen auf CD aufgenommen. Bei bloßer Schriftform, so der Küchenkünstler, würden nur 80% seiner Ansprüche erfüllt werden. Die akkurate Wiedergabe des Kochvorgangs auf CD erhöhe die Leistungen seiner Angestellten dramatisch.

Doch Erfolg allein macht den New Yorker Koch nicht glücklich. Er sammelt lieber nostalgische Toaster - und Gourmet-Preise.

Links:
www.jean-georges.com
www.starchefs.com/JGVong/html/index.shtml
www.chef-of-the-month.com/recipes/vongerichten

Kraut der Woche: Salbei

Mit Salbei, unserem Kraut der Woche, versuchten schon die Griechen die Götter gnädig zu stimmen. Heute wird er in der Küche wegen seines leicht bitteren, dem Kampfer ähnlichen Geschmacks geschätzt.

Salbei gehört so untrennbar zu Saltimbocca wie Basilikum zu Tomaten. Und ist allgemein in der italienischen Küche unverzichtbar. Salbei verlangt allerdings Köche mit Fingerspitzengefühl, denn er würzt so kräftig, daß er kein Kraut neben sich duldet. Das Salbei-Aroma entfaltet sich erst unter Hitze, deshalb darf er von Anfang an mitgekocht oder kurz angebraten werden.

Schon im Mittelalter kursierte die rhetorisch gemeinte Frage: "Warum sollte der Mensch sterben, wenn Salbei in seinem Garten wächst?" Und auch die Chinesen glaubten bereits im 17. Jahrhundert fest daran, dass Salbei das Leben verlängere. Heute weiß man, daß sein ätherisches Öl entzündungshemmend, desinfizierend und krampflösend wirkt. Etwas Salbeitee zum Gurgeln hilft bei Halsschmerzen.

Als Südeuropäer liebt Salbei viel Sonne. Je nach Art, kann er bis zu 2 Metern gross werden.

Link:
www.kraeutermaerchen.de

Buchtipp:
"Das grosse Lexikon der Heilpflanzen" , Andrew Chevallier, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2001, ISBN: 3-8310-0167-7

"Die Fitness- und Energieküche mit Kräutern", Ursula Braun-Bernhart, Mosaik Verlag München, 2001, ISBN: 3-576-11538-2

"Falken Lexikon der Gewürze", Ulrike Bültjer, Falken Verlag, 1998, ISBN: 3-8068-4980-3










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