Die merkwürdige Welt der Computer-Krieger Pressestimmen |
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Seit dem Amoklauf von Erfurt ist das Computerspiel "Counterstrike" in der Diskussion. Auch der junge Täter war ein Fan des umstrittenen Spiels. Was Hundertausende daran so begeistert, will die Reportage "Erschießt alle" herausfinden.
Die Filmemacherin hütet sich davor, jene Jugendlichen auch nur in die Nähe des Amokläufers von Erfurt zu rücken. Auch versucht sie gar nicht erst...die Welt dieser Jugendlichen zu verstehen, sie gar erklären zu wollen. Und gerade das macht die Reportage so interessant, offenbart aber zugleich eine gewisse Hilflosigkeit, wie sie sich schon nach Erfurt breit machte."
Löblicherweise verzichtet die Reportage auf altbekannte Wertungen und Vorurteile. "Erschießt alle!" ist der Versuch des ZDF, die Counterstriker so zu zeigen, wie sie wirklich sind: auf freier Wildbahn."
D‘Amicis Bilder erinnerten an die legendären Aufnahmen aus Woodstock: überall Schlafsäcke, Proviant, völlig übermüdete junge Menschen...Obwohl sich D‘Amicis nicht um das Privatleben der Jungs kümmerte, kam sie näher an die Spieler heran, weil sie sich nur auf diese beiden konzentrierte.
Bedauerlich, dass das ZDF diesen intelligenten Beitrag zu einem wichtigen Thema wieder einmal erst zu nächtlicher Stunde ausstrahlte. Eine Wiederholung am frühen Abend wäre zu begrüssen.
Unter dem Titel "Erschießt alle! die sonderbare Welt der Computerkrieger" wagte Regisseurin Francesca D‘Amicis in der ZDF-Reihe "37 Grad" einen Blick hinter die Kulissen dieser Szene. Dabei ließ sie den Zusammenschnitt aus Aufnahmen bei einer sogenannten "LAN-Party", bei der rund 2000 Spieler gegeneinander antreten, Interviews und Kampfsequenzen geschickt für sich selbst sprechen."
Die Bilder beklemmen: junge Leute, die sich wie besessen per Computer duellieren. Das Fieber heißt Counterstrike...Der dokumentarische Part war ernüchternd und drängte zu Fragen.
Emotionslos und sachlich erhellte die "37 Grad"-Reportage mit anschließender Diskussion die Hintergründe eines schwer begreiflichen Phänomens. Ein respektabler Versuch.
In ihrer kurzen Reportage stellte die Autorin eher friedliche junge Menschen beiderlei Geschlechts beim Wettkampf "Terroristen contra Antiterroristen" vor, die sich in diese Drei-Tage-Schlacht stürzen.
Der Film bot einen verblüffenden Eindruck in eine ausgewachsene Subkultur: Die Spielefreaks sind weder aggressiv noch einfältig, sie fachsimpeln eloquent über ihre Kampftaktik und bauen rund um ihre Computer Donald-Duck-Nippes auf."
Francesca D‘Amicis entdämonisiert diese Jugendlichen, indem sie Teilnehmer der größten deutschen CS-Party vorurteilsfrei beobachtet.
Das muss sich man sich mal vorstellen: 3000 potentielle Massenmörder sitzen da in einer Halle rum, erschießen einander, schlafen nur drei Stunden, schütten ungesunde Jugendgetränke in sich hinein, und keiner tut was dagegen."
Ein Trip in eine unbekannte Welt.
Man sah übermüdete Krieger mit Flaumbart, Chipstüten, Matratzenlager, rotgespielte Augen, nervöse Finger, man sah ein Turnier, das sich nicht wesentlich von einem Preis-Skat oder einem Schach-Turnier unterscheiden mochte, man sah grobkörnige Blutlachen, ebenso grobkörnige Pixel-Krieger und hörte bellende Kalaschnikow-Salven.
Bei der großen mehrheit der "Counterstrike"-Spieler stellt sich die Frage: warum sie ihre Zeit und ihre zweifellos vorhandene Intelligenz an diese Ballerei verschwenden? Diese Frage haben weder die gezeigten Jugendlichen moch dieser Bericht beantwortet.
Vielleicht hat es sich die Autorin etwas zu leicht gemacht - doch ob das PC-Gemetzel nun wirklich harmlos oder doch jugendgefährdend ist, darüber konnten sich auch die Experten in der anschließenden Talkrunde nicht einigen.
Zugucken und staunen.
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