 |
|
 |
 Folge 3: Fluss
Ausstrahlungstermine: Mittwoch, 18. Mai 2011 um 20:15 Uhr, ZDFneo
Ausstrahlungstermine: Sonntag, 05. Juni 2011 um 19.30 Uhr, ZDF
Wiederholung: Sonntag, 20. November 2011 um 03:00 Uhr, ZDF
Dreiteilige Filmreihe in HD von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus

Buch und Regie:
Petra Höfer und Freddie Röckenhaus
Mitarbeit:
Friederike Schmidt-Vogt, Svenja Mandel, Kay Schlasse, Francesca D`Amicis,
Johannes Fritsche
Helikopteraufnahmen:
Peter Thompson
Kamera: Marcus von Kleist, Torbjörn Karvang, Johannes Imdahl, Christopher Rowe
Zeitrafferaufnahmen: Goggi Strauß
Schnitt:
Jörg Wegner, Maren Grossmann
Sprecher: Leon Boden
Tonmischung: Gordon Rijnders
Redaktion ZDF: Alexander Hesse, Katharina Rau
Produktion:
colourFIELD im Auftrag des ZDF
 |
Verglichen mit Frankreich, Italien oder Spanien hat Deutschland nur relativ kurze
Küstenstrecken. Doch nichts prägt Deutschland so, wie das Wasser. Dass unser Land aus
der Vogelperspektive so grün aussieht, voller Bäume und Wälder, Wiesen, Äcker und
Parks, liegt nicht zuletzt daran, dass es bei uns so viel regnet. Entlang der Flüsse konnten
Waren, Informationen, Kultur und nicht zuletzt Menschen schon früh reisen.
Als das Reisen noch beschwerlich und langsam war, wurden die deutschen Gewässer
schon als Transportwege genutzt. Und wir ahmen das Netzwerk des Wassers überall
nach: Bei unseren Warenströmen über die Straßen, bei der Verteilung von Strom, Gas,
Kohle und Öl. Alles fließt - im Industrieland Deutschland. Und selbst vor unseren Küsten
sollen in Zukunft Windparks auf hoher See Energie heranschaffen. Die Häfen, Hamburg
und Bremen allen voran, bleiben Umschlagplätze - auch wenn sie sich ständig verändern.
Und manchmal muss der Hafen sogar dem Fluss dorthin folgen, wohin er sein Bett verlegt.
Wie beim gigantischen Binnenhafen von Duisburg-Ruhrort, am Zusammenfluss von Rhein
und Ruhr.
Die Römer nutzten den wichtigsten deutschen Fluss, den Rhein, für den Vormarsch
Richtung Norden. In Xanten am Niederrhein stampften sie ihre zeitweise größte Stadt
nördlich der Alpen aus dem Boden. Im Archäologischen Park von Xanten, heute
westlichster Punkt des Ruhrgebiets, sind einige der römischen Prachtbauten wieder
aufgebaut worden. Doch die Römer reisten von dort noch weiter ins Ungewisse. Gleich
gegenüber von Xanten, auf der anderen Rheinseite, fuhren die Legionäre den Nebenfluss
Lippe hinauf. Von den Feldlagern entlang der Lippe schlugen sie sich schließlich Richtung
Norden durch die Urwälder der westfälischen Wälder. Heute sucht der Bochumer
Luftbildarchäologe Bao Song vom Propeller-Flugzeug aus die aus der Vogelperspektive
sichtbaren Überreste der Römer-Lager, am Nordrand des heutigen Ruhrpotts. Auch jenes
Lager, in das sich Feldherr Varus und seine geschundenen Legionäre nach der Schlacht
gegen Hermann den Cherusker flüchteten.
Der Rhein blieb zwei Jahrtausende die Kulturachse Deutschlands. Die Burgen am
Mittelrhein, von Burg Katz und Burg Maus bis zum wuchtigen Rheinfels, sind heute
Unesco-Weltkulturerbe. Wie eine Architektur- und Macht-Ausstellung thronen sie an den
Spornen der steilen Rheinufer, für die Reisenden schon in alten Zeiten gut sichtbar. Und
mit Zollstationen alle paar Flusskilometer.
Heute siedeln entlang des Rheins besonders viele große Industrien, darunter die
stromverschlingenden chemischen Großfabriken von BASF, über Hoechst bis zu Bayer,
gleich nebenan an von riesigen Kraftwerks-Komplexen eingerahmt, die das Rheinwasser
zum Kühlen von Kernkraft-Reaktoren und konventionellen Turbinen entnehmen - und es
anschließend aufgewärmt wieder in den Strom zurückpumpen. Bei Duisburg liegen die
letzten Hochöfen des Landes am Rheinufer, weil sich die Rohstoffe so am günstigsten
anliefern lassen. Die Abwässer, selbst die aus den Klärwerken, sind heute meist sauberer,
als das eigentliche Flusswasser. Aber die Erwärmung des Wassers unserer Flüsse
erzeugt Probleme. An vielen Orten prüft die Polizei inzwischen mit Infrarot-Kameras und
aus dem Hubschrauber heraus, mit welcher Temperatur Abwasser in den Neckar oder den
Rhein gepumpt werden.
Doch nicht nur der Rhein und seine vielgenutzten Nebenflüsse Neckar, Main und Ruhr
prägt das Land. Aus der Luft betrachtet scheint entlang der Elbe die Zeit beinahe
stehengeblieben. Nirgendwo ist soviel Platz für Wasservögel, wie in der Elbtalaue, in der
sich im Spätsommer die Jungstörche der Saison startklar für den Winterurlaub im Süden
machen. Ganz allein, ohne die Eltern-Tiere. Genau umgekehrt ist es am Niederrhein und
an Emsmündung und Dollart, wo hunderttausende von Wildgänsen aus der Arktis und
Sibirien überwintern - weil es bei uns im Dezember und Januar geradezu angenehm milde
für sie ist. Wenn sie im Frühjahr abreisen, dann grundsätzlich nur im Familienverbund, weil
die Jungtiere sonst den Weg nicht finden würden.
Das milde Klima und die Erwärmung von Flüssen und Nordsee führt auch zur Ansiedlung
neuer Pflanzenarten. Über der Elbmündung werden mit komplexen Messverfahren vom
Flugzeug aus kartiert und überwacht.
Auch auf Helgoland, Deutschlands einziger Hochsee-Insel, finden es die stattlichen
Kegelrobben so vergleichsweise angenehm, dass sie inzwischen rund um Weihnachten
an den Stränden der Düne ihre Jungen zur Welt bringen. Auf dem Helgoländer
Turmfelsen, der Langen Anna, brüten im Frühjahr die Lummen. Und etwas weiter südlich,
am Strand der ostfriesischen Insel Juist, setzen die Helfer von der Robben-Aufzuchtstation
in Norddeich jeden Herbst die mühsam aufgepeppelten Heuler aus. Aus der Luft sieht man
am besten, wie schwer manchen der Abschied fällt. Auf beiden Seiten.
zurück nach oben
|
 |
 |
 #1

 #2

 #3

 #4

 #5

 #6

 #7

 #8

 #9

 #10

 #11

zurück nach oben
|
|