Deutschland von oben 


Folge 1: Stadt 


Folge 2: Land 


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STADT - LAND - FLUSS

Drehbericht DVO - Making of (1)
DVO - Making of (2)


200 Stunden über Deutschland, mit dem Helikopter über Städte und Landschaften fliegen, neben fliegenden Störchen dahinrattern, das Leben als Schweben. Was für ein großartiger Job – werden Sie sagen. Ich möchte sofort tauschen!

Aber wie so oft im Leben: Alles hat seine Kehrseiten. "Deutschland von oben" hat, so lernt man bei der Vorbereitung so einer Reihe, eine doppelte Bedeutung. Denn vor beinahe jeder menschlichen Aktivität steht eine bürokratische Anstrengung und ein Kontakt mit dem, was man früher "Obrigkeit" nannte – was vom Wortstamm nicht umsonst auch von "oben" kommt.

Und das gilt für die Dreharbeiten der wunderbaren Luftbilder in "Deutschland von oben" natürlich erst recht, denn nichts ist so umkämpft wie der Luftraum über unserem Land. Oder wie es einer unserer Helikopter-Piloten gern formulierte: "Die Menschen wohnen direkt neben Schnellstraßen, auf denen 50.000 Autos pro Woche gleich neben ihrer Schlafzimmerwand vorbeirauschen und sie sagen: Jo mei, das ist halt so. Aber wehe, am Himmel schrappt ein einziger Hubschrauber über sie hinweg. Dann rufen sie sofort 1-1-0 an und drohen außerdem der Regierung mit der Vertrauensfrage."

Fluglärm ist für die Nachbarn unserer Flughäfen natürlich ein ernstes Problem. Aber für unsere Dreharbeiten, bei denen wir die bestmöglichen Bilder für die Zuschauer drehen wollten und bisweilen besonders tief fliegen dürfen wollten, war der Flugslalom durch den Wald der Luftfahrtbehörden, der oberen und unteren Naturschutzbehörden, der städtischen Ordnungsbehörden, der Nationalparkbehörden und der für die Bundeswehr gesperrten Lufträume fast so kompliziert wie der ganze Rest der Dreharbeiten für diese sehr außergewöhnliche Doku-Reihe. Wir hatten bisher angenommen, dass Erfahrungen mit Bürokratien bei Filmarbeiten in Brasilien, Papua-Neuguinea, Gabun oder Indonesien schwierig waren. Aber man lernt eben nie aus.

Aber auch, wenn man es dann in die Luft geschafft hat und mit besonders zeitlimitierten besonderen Sondergenehmigungen ausnahmsweise besonders tief fliegen darf - oder auch besonders hoch, was große Flughäfen in der Nähe wiederum verhindern möchten, weil unser Dreh-Hubschrauber dort angeblich die großen Flieger stört – wenn man es also geschafft hat, Deutschland endlich von oben drehen zu dürfen, ist auch nicht alles Zuckerschlecken.

Bei den Dreharbeiten auf etwa 14.000 Fuß Flughöhe, wie der Flieger sagt, etwa 4.500 Meter, trompete uns oberhalb der Zugspitze der Wind mit solcher Wucht von hinten ins Abgasrohr der Hubschrauber-Turbine, dass sie für einige Augenblicke wegen dieses Gegendrucks komplett aussetzte. Auch wenn uns Werner, unser Pilot, später beruhigen wollte, dass man gerade aus so großen Höhen besonders gut in Autorotation zum Boden gleiten könne, wirkte er selbst doch so beunruhigt wie es auf 14.000 Fuß angemessen erschien. Im anderen Hubschrauber, aus dem unsere Akteure, zwei Basejumper mit Fallschirmen, abspringen sollten, war die Stimmung jedenfalls deutlich euphorischer, als in diesen Momenten bei uns, in denen die Turbine stotterte.

Aber zugegeben: Wenn man auf dem winzigen Kontroll-Bildschirm, den man als Regisseur in der Luft vor sich hat, die Kraniche daherziehen sieht, makellos bildstabiliert von der fünffach gelagerten, eine halbe Million teuren Kamera, die am Bauch des Hubschraubers befestigt ist und von innen gesteuert wird, dann schmilzt man nur so dahin. Manchmal vergisst man fast die Regieanweisungen. Und natürlich ist es unvergleichlich, wenn man mit "Sky", dem Steinadler aus Lenggries an der Isar, durch die Lüfte gleitet. Man hört dann die Turbine des Hubschraubers kaum noch, weil man sich an dem eleganten Flug des Adlers berauscht und gar nicht sattsehen kann. Und Sky hat auch noch selbst seine Freude am Spielkameraden Hubschrauber. Man fragt sich, ob das nicht ein wunderbares Bild wäre für die Buddhismus-Maschine Fernsehen, wenn man eine Stunde lang auf dem Bildschirm den Adlern oder den Störchen nur beim Fliegen zuschauen dürfte, in leichter Zeitlupe und HDTV. Und ob das nicht ein besseres Programm wäre, als viele andere?

Unser Hubschrauber-Kameramann, Peter Thompson aus Neuseeland, der seit 10 Jahren mit uns in aller Welt Luftbilder gemacht und auch viele der Flugaufnahmen für die "Herr der Ringe"-Kinofilme gedreht hat, hatte irgendwann auch das größte Kompliment für Deutschland parat: Manche Landschaften würden ihn an Neuseeland oder Kanada erinnern. Das hätte er nicht im Traum erwartet von einem vermeintlichen Industrieland wie Deutschland. In der Nähe von Dortmund mit hunderten von Kranichen dahinzufliegen, die sich weder von unserem Motorengeräusch und erst recht nicht von unserer Kamera stören ließen, war selbst für den hartgesottenen Tierfilmer Peter ein neues Erlebnis. Die obere Isar hatte es ihm sowieso angetan - mir übrigens auch. Und das Wattenmeer, das an einem schönen Sommertag von oben so aussieht, als hätte die Südsee große Teile der Sahara überschwemmt. Die Seehunde passten perfekt zu dieser Fatamorgana.

Flugaufnahmen in Deutschland haben aber vor allem auch mit dem Wetterbericht zu tun. Nie zuvor haben wir alle uns so ausgiebig mit Wetterberichten, Wetterstationen, Wetterprognosen beschäftigt. Es gab Überlegungen, einen der Frösche aus unserem Gartenteich in ein Glas mit Innenleiter umzusiedeln. Das Wetter über uns ist objektiv betrachtet tatsächlich besser als sein Ruf, subjektiv betrachtet allerdings eine fortwährende Zumutung. Nach Abschluss von Dreharbeiten für "Deutschland von oben" muss man deshalb unbedingt in eine Gegend verreisen, in der das Wetter wochenlang jeden Tag fast dasselbe ist. Man läuft sonst Gefahr, dauerhafte Schäden davonzutragen und nachts um 2 Uhr das Wetter in Emden oder Sipplingen im Internet abzurufen. Altgediente Meteorologen beichteten uns auf Wetter-Hotlines, dass das Jahr 2009 das schimmste, deprimierendste, unprognostizierbarste ihrer Karriere gewesen sei. Es gehe ihnen gegen die Berufsehre. Könnte man sich ein besseres Jahr für "Deutschland von oben" wünschen?

Manch merkwürdige Flugmanöver, die nötig sind, um besonders dynamische Bilder drehen zu können, sind nichts für nervöse Mägen. Es gibt Menschen, denen selbst beim Betrachten der Bilder im sicheren Schnittstudio manchmal etwas flau wird. Mir persönlich machen die Bewegungen des Hubschraubers weniger aus – aber der Geruch von Kerosin in der Nase erzeugt mir fast sofortige Übelkeit. Ich bin damit offenbar nicht allein. Einer netten bayerischen Co-Pilotin verdanke ich den Tipp, dass Sticks mit Pfefferminz-Aroma den Geruchssinn so radikal in Beschlag nehmen, dass man überhaupt nichts anderes mehr riecht als Minze. "Das arme Schwein", murmelte einst Obelix, als es bei den Briten Wildschwein in Pfefferminzsoße gab. Mir hat die Pfefferminze das Fliegen übers Land versüßt. Deutschland von oben riecht für mich nach Minze, egal, in welcher Flughöhe. Das hat mich mit allen Bürokraten versöhnt. Jedenfalls, so lange die ätherische Wirkung der Öle anhielt.

Freddie Röckenhaus


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Deutschland von oben - Making Of, 1
#1

Deutschland von oben - Making Of, 2
#2

Deutschland von oben - Making Of, 3
#3

Deutschland von oben - Making Of, 4
#4

Deutschland von oben - Making Of, 5
#5

Deutschland von oben - Making Of, 6
#6

Deutschland von oben - Making Of, 7
#7

Deutschland von oben - Making Of, 8
#8

Deutschland von oben - Making Of, 9
#9

Deutschland von oben - Making Of, 10
#10

Deutschland von oben - Making Of, 11
#11

Deutschland von oben - Making Of, 12
#12





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