Vier Hochzeiten und kein Todesfall


Wie junge Deutsche heiraten

Die Deutschen heiraten wieder. Mit Schleier, Pferdekutsche, Videokamera und vor allem: vor perfekter Kulisse. Das fränkische Würzburg gilt als Renner unter Ja-Wort-Willigen. Die Hofkirche der Würzburger Residenz etwa bietet nicht nur Balthasar-Neumann-Gewölbe und Antonio-Bossi-Stuckbänder, sondern auch den benachbarten Hofgarten als idealen Hintergrund fürs Hochzeitsfoto. Aus der ganzen Republik drängen die Paare hier vor den Traualtar.

Frau Stadler und Herr Vogt etwa kommen extra aus Berlin. Das Paar Langer dagegen – seit einem Jahr bereits standesamtlich verheiratet – reist „nur“ vom benachbarten Weingut aus an. Doch den „schönsten Tag im Leben“ feiern sie mit drei Opernsängern und 350 Gästen. Die Traumhochzeit liegt voll im Trend. Denn sie allein hilft, böse Geister zu vertreiben: Wer so schön heiratet, wird bestimmt niemals geschieden.

Henning Dageförde dagegen bietet Zeremonie pur – ohne Kirche, ohne Segen, ohne Eintrag ins Familienbuch. Dafür aber ganz persönlich auf das Brautpaar zugeschnitten, und feierlich wird es meistens auch. Mit seiner „Trau-Dich-Agentur“ hat er eine Marktnische besetzt. Der arbeitslose Pfarrer ermöglicht Geschiedenen, Atheisten und Paaren, die aus der Kirche ausgetreten sind, ein stilvolles Ja-Wort – ohne Einmischung der Amtskirchen. Margot und Udo etwa lassen sich von Henning im Heimathaus von Frelsdorf das Liebesversprechen abnehmen, einer norddeutschen Bauernhofidylle, in der schon der einjährige Sohn des Brautpaares getauft wurde. Ganz ohne Brautkleid und öffentliches Gelöbnis aber wollten auch Margot und Udo nicht ins Eheleben starten.

Die Macht des Rituals wirkt auch, wenn die Ehe kein „heiliger Stand“ mehr für die Brautleute ist. 
Connie und Timmie aus Herdecke dagegen wollen den Tag einfach ganz für sich. Ohne Hochzeitsstreß, ohne Verwandtentroß, ohne Alleinunterhalter und Brautentführung. Der schönste Tag im Leben, sagen sie, wird nur dann wirklich schön, wenn man Deutschland verläßt – möglichst per Transatlantikflug. Deswegen heiraten die zwei Ruhrgebietler in Las Vegas. Die Trauzeremonie dauert sieben Minuten, sämtliche Formalitäten erledigt das Reisebüro, Freunde und Verwandte müssen zu Hause bleiben. 
VIER HOCHZEITEN UND KEIN TODESFALL begleitet vier Paare auf drei verschiedenen Wegen zum Ja-Wort – von der Brautkleidanprobe bis zur Fotosession fürs Hochzeitsfoto. Brautpaare, Schwiegereltern, Gäste und erfahrene Hochzeitsdienstleister erzählen von organisatorischen Pannen, von Hoffnungen und Ängsten, von der Mühe, die deutsche Paare sich geben, die eigene Hochzeit als etwas einmaliges zu inszenieren – in Zeiten, in denen über vierzig Prozent aller Ehen wieder geschieden werden.

Frau Stadler und Herr Vogt etwa kommen extra aus Berlin. Das Paar Langer dagegen – seit einem Jahr bereits standesamtlich verheiratet – reist „nur“ vom benachbarten Weingut aus an. Doch den „schönsten Tag im Leben“ feiern sie mit drei Opernsängern und 350 Gästen. Die Traumhochzeit liegt voll im Trend. Denn sie allein hilft, böse Geister zu vertreiben: Wer so schön heiratet, wird bestimmt niemals geschieden.

Henning Dageförde dagegen bietet Zeremonie pur – ohne Kirche, ohne Segen, ohne Eintrag ins Familienbuch. Dafür aber ganz persönlich auf das Brautpaar zugeschnitten, und feierlich wird es meistens auch. Mit seiner „Trau-Dich-Agentur“ hat er eine Marktnische besetzt. Der arbeitslose Pfarrer ermöglicht Geschiedenen, Atheisten und Paaren, die aus der Kirche ausgetreten sind, ein stilvolles Ja-Wort – ohne Einmischung der Amtskirchen. Margot und Udo etwa lassen sich von Henning im Heimathaus von Frelsdorf das Liebesversprechen abnehmen, einer norddeutschen Bauernhofidylle, in der schon der einjährige Sohn des Brautpaares getauft wurde. Ganz ohne Brautkleid und öffentliches Gelöbnis aber wollten auch Margot und Udo nicht ins Eheleben starten.

Die Macht des Rituals wirkt auch, wenn die Ehe kein „heiliger Stand“ mehr für die Brautleute ist. 
Connie und Timmie aus Herdecke dagegen wollen den Tag einfach ganz für sich. Ohne Hochzeitsstreß, ohne Verwandtentroß, ohne Alleinunterhalter und Brautentführung. Der schönste Tag im Leben, sagen sie, wird nur dann wirklich schön, wenn man Deutschland verläßt – möglichst per Transatlantikflug. Deswegen heiraten die zwei Ruhrgebietler in Las Vegas. Die Trauzeremonie dauert sieben Minuten, sämtliche Formalitäten erledigt das Reisebüro, Freunde und Verwandte müssen zu Hause bleiben. 
VIER HOCHZEITEN UND KEIN TODESFALL begleitet vier Paare auf drei verschiedenen Wegen zum Ja-Wort – von der Brautkleidanprobe bis zur Fotosession fürs Hochzeitsfoto. Brautpaare, Schwiegereltern, Gäste und erfahrene Hochzeitsdienstleister erzählen von organisatorischen Pannen, von Hoffnungen und Ängsten, von der Mühe, die deutsche Paare sich geben, die eigene Hochzeit als etwas einmaliges zu inszenieren – in Zeiten, in denen über vierzig Prozent aller Ehen wieder geschieden werden.

Facts

Erstausstrahlung: 30. 7. 1997, 21.45 Uhr
45 Minuten
Einschaltquoten der Erstsendung: 2,86 Mio. / 14,8 % Marktanteil
Weitere Ausstrahlungen: 3 Sat, Nord 3, Hessen 3, ORB 3, Phönix, weitere Dritte

    test
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    Geschickt haben Höfer und Röckenhaus ihre unbeirrbaren Kandidaten zum Plaudern gebracht, ebenso geschickt haben sie ihre intimen Impressionen parallel montiert. So ist es ihnen gelungen, kritisch, aber nicht wirklich bösartig in verborgenem Winkel unter deutschen Dächern zu leuchten. Ab und zu war ein Grinsen gestattet, und das werden die Frischverheirateten verzeihen.

    Berliner Zeitung

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    Das Autorenpaar hat seine Auswahl geschickt getroffen. da ist die bodenständige Heirat der Würzburger Weinbauern und die romantische Liebesgeschichte der beiden Berliner, die sich im Zug kennenlernten, wo sie auch am liebsten geheiratet hätten. Der Zuschauer tanzte bei dieser Reportage auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig - und sah vier durchaus zeitgemäße Hochzeitsvideos mit mutigen Schnitten, die den privaten Dokumentationen des "schönsten Tages" so fremd sind.

    taz

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    Dem Autorenteam gelang eine spannende und unterhaltsame Dokumentation über den "schönsten Tag im Leben". Subtil, aber nie verletzend wurde hier ein Mythos zerpflückt, der in Zeiten der Anonymisierung immer stärkere Bedeutung erfährt. Auch kritische Zwischentöne ließ das Feature aus der Reihe "Unter deutschen Dächern" nicht vermissen. Was zählt, so der Beitrag, sei bei vielen Paaren nur die Show und die Chance, einmal im Leben als Prinz und Prinzessin im Mittelpunkt zu stehen.

    Stuttgarter Zeitung

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    Den Autoren Petra Höfer und Freddie Röckenhaus ging es um den Versuch einer Heiratsphänomenologie der Gegenwart. Solche soziologischen Bestandsaufnahmen zeichnen die Reihe "Unter deutschen Dächern" aus, der man meistens mit Gewinn zuschaut. So auch diesmal.

    FAZ

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    Eine ernste Sache, aber spaßig anzuschauen.

    Weser Kurier

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    Vier Liebespaare im Ehefieber. Petra Höfer und Freddie Röckenhaus mischten sich mit der Kamera unter aufgeregte Brautleute und protokollierten grundlegende Hochzeitsvorkehrungen.

    Der Spiegel

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    Das Autorenduo Höfer und Röckenhaus dämpfte seine sonst überbordende Ironie auf ein Minimum und zeigte vor allem schöne Bilder. Man sah sie gern, kein Wunder. Denn wer guckt schließlich nicht rasch hin, wenn vor der nächsten Kirchentür ein Brautpaar steht.

    Hamburger Abendblatt

Credits

Ein Film von:
Petra Höfer
Freddie Röckenhaus
Kamera:
Peter Refle
Schnitt:
Miriam Peter
Redaktion:
Elmar Hügler (Radio Bremen)

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