Truckstop Geiselwind


Tage und Nächte auf Europas größtem Lkw-Rastplatz

Für den Lkw-Piloten sind nicht Barcelona, Paris und Berlin die Eckpunkte seiner paneuropäischen Asphalt-Routen, sondern Ellwangen, Sittensen und Geiselwind. Seit die Warenmärkte immer globaler werden und sich die Lastwagen ungehindert von „eisernen Vorhängen“ quer durch Europa bewegen können, ist am Ortsrand des unterfränkischen 800-Seelen-Dorfes Geiselwind der größte „Autohof“ Europas entstanden. Wie in einer Hafenstadt laufen hier die Menschen und die Ladungen ein – für einen kurzen Aufenthalt oder acht Stunden Pflicht-Schlaf.

200 Meter hinter der A 3 – Ausfahrt Geiselwind liegt einer der Autohöfe, die in den letzten zehn Jahren entlang der Autobahnen entstanden sind. Längst hätten die normalen Raststätten keinen Platz mehr, die zahllos gewordenen rollenden Lagerhäuser noch aufzunehmen. Beim Strohofer Toni in Geiselwind parken nachts bis zu 1000 Trucker zur gleichen Zeit ihre 40-Tonnen-Vehikel. Um zu tanken, zur Toilette zu gehen, eine Dusche zu nehmen, Koteletts und Schnitzel mit Pommes-frites-Gebirgen zu bestellen, mit den Kollegen immer nur über das Fahren und die neuesten Polizei-Schikanen zu reden und sich anschließend mit dem Soft-Porno aus der Tankstellen-Boutique in die Schlafkajüte ihres Brummis zu legen.

Die Wirtschafts-Philosophie des „just-in-time“ hat ein europaweites Nomadentum der Trucker entstehen lassen. Die Autohöfe, entlang der wichtigen europäischen Fernverkehrsadern in die Prärien gestampft, sind die Lagerplätze für Waren, die die Unternehmen nicht mehr in eigenen Lagerhallen lagern wollen, sondern die sie sich „gerade-zur-rechten-Zeit“ liefern lassen. Und sie sind Lagerplätze der Menschen, die unsere Wünsche nach frischen Erdbeeren mitten im Dezember, mit einem postmodernen Lebensstil bezahlen. Wie Klaus Huber, der nach Athen umgezogen ist, um seine Frau wenigstens ab und zu zu sehen.

Oder Kerstin Pos, die ihre Wohnung aufgegeben hat und nur noch unterwegs ist. 
Der Autohof von Geiselwind im Steigerwald ist wie eine Hafenstadt ohne Romantik, am schnellen Strom der Waren und der Pferdestärken. Reduziert auf das Nötigste, auf die Befriedigung der Bedürfnisse von Durchreisenden. Eine Neon-Oase für den eiligen, knapp bezahlten Lastwagen-Fahrer, der nach den gesetzlich vorgeschriebenen Stunden Schlaf weiterbrettert und morgen oder übermorgen mit der Retoure wieder den Hafen von Geiselwind ansteuert, wo er Colin aus England, Fazli aus der Türkei und Ion den Rumänen wiedertrifft. Und der ständig seinen Spediteur im Nacken spürt, der pünktliche Lieferung und Unmögliches sofort verlangt. 
TRUCK STOP GEISELWIND – ein Film über den Geruch von Diesel und Reifengummi beim Einschlafen. Über den Verlust von Zuhause und die Veränderung der Welt, wo alles mobil, nüchtern, effizient sein soll – und der Leberkäse im Rasthof von Geiselwind so tut, als sei er ein Stück regionaler Identität. Ein Film darüber, was die moderne Mobilität und der Zwang zum Rationalen aus dem Leben der Menschen macht.

200 Meter hinter der A 3 – Ausfahrt Geiselwind liegt einer der Autohöfe, die in den letzten zehn Jahren entlang der Autobahnen entstanden sind. Längst hätten die normalen Raststätten keinen Platz mehr, die zahllos gewordenen rollenden Lagerhäuser noch aufzunehmen. Beim Strohofer Toni in Geiselwind parken nachts bis zu 1000 Trucker zur gleichen Zeit ihre 40-Tonnen-Vehikel. Um zu tanken, zur Toilette zu gehen, eine Dusche zu nehmen, Koteletts und Schnitzel mit Pommes-frites-Gebirgen zu bestellen, mit den Kollegen immer nur über das Fahren und die neuesten Polizei-Schikanen zu reden und sich anschließend mit dem Soft-Porno aus der Tankstellen-Boutique in die Schlafkajüte ihres Brummis zu legen.

Die Wirtschafts-Philosophie des „just-in-time“ hat ein europaweites Nomadentum der Trucker entstehen lassen. Die Autohöfe, entlang der wichtigen europäischen Fernverkehrsadern in die Prärien gestampft, sind die Lagerplätze für Waren, die die Unternehmen nicht mehr in eigenen Lagerhallen lagern wollen, sondern die sie sich „gerade-zur-rechten-Zeit“ liefern lassen. Und sie sind Lagerplätze der Menschen, die unsere Wünsche nach frischen Erdbeeren mitten im Dezember, mit einem postmodernen Lebensstil bezahlen. Wie Klaus Huber, der nach Athen umgezogen ist, um seine Frau wenigstens ab und zu zu sehen.

Oder Kerstin Pos, die ihre Wohnung aufgegeben hat und nur noch unterwegs ist. 
Der Autohof von Geiselwind im Steigerwald ist wie eine Hafenstadt ohne Romantik, am schnellen Strom der Waren und der Pferdestärken. Reduziert auf das Nötigste, auf die Befriedigung der Bedürfnisse von Durchreisenden. Eine Neon-Oase für den eiligen, knapp bezahlten Lastwagen-Fahrer, der nach den gesetzlich vorgeschriebenen Stunden Schlaf weiterbrettert und morgen oder übermorgen mit der Retoure wieder den Hafen von Geiselwind ansteuert, wo er Colin aus England, Fazli aus der Türkei und Ion den Rumänen wiedertrifft. Und der ständig seinen Spediteur im Nacken spürt, der pünktliche Lieferung und Unmögliches sofort verlangt. 
TRUCK STOP GEISELWIND – ein Film über den Geruch von Diesel und Reifengummi beim Einschlafen. Über den Verlust von Zuhause und die Veränderung der Welt, wo alles mobil, nüchtern, effizient sein soll – und der Leberkäse im Rasthof von Geiselwind so tut, als sei er ein Stück regionaler Identität. Ein Film darüber, was die moderne Mobilität und der Zwang zum Rationalen aus dem Leben der Menschen macht.

Facts

Erstausstrahlung: 16. 12. 1998, 21.45 Uhr, ARD
Einschaltquoten der Erstsendung: 3,7 Mio. / 14,5 % Marktanteil
Weitere Ausstrahlungen: Arte, 3 SAT (zweimal), ORB3, Hessen3, Nord3, B1 (SFB), Südwest 3

    test
  • Feedback

    Röckenhaus und Höfer zeigen mit ihrem fein beobachtenden , aufmerksamen Film, daß man sich manchmal nur einen begrenzten Ort aussuchen muß, um ein großes Stück vom Leben einzufangen. Wir erfahren etwas vom Kapitalismus und vom steigenden Warenwert, wenn wir hören, daß Stoffe nach Rumänien gefahren, dort verarbeitet und dann in London mit mehreren 1000 Prozent Gewinn an den Mann gebracht werden.

    Süddeutsche Zeitung

  • Feedback

    Originell ist das, unkompliziert und kurzweilig, aber auch ein bißchen flüchtig, ein Panorama im Vorübergehen. Ein netter, sympathischer Film, aber auch einer, der sich im Spannungsfeld zwischen hartem Arbeitsalltag und harten Kerlen immer für die letzteren entschied.

    epd medien

  • Feedback

    Petra Höfer und Freddie Röckenhaus haben in ihrem Dokumentarfilm den größten Autohof Europas, "Geiselwind" im Unterfränkischen, besucht und die Trucker und Truckerinnen reden lassen. Herausgekommen ist das verständnisvolle Portrait eines schweren Berufs, der für familiäre Bindungen und Cowboy-Romantik keinen Platz läßt. Sie werden einem richtig sympathisch, diese bulligen Fernfahrer, die tatsächlich Hausmannskost und komische Unterhemden zu lieben scheinen.

    taz

  • Feedback

    An einen Hafen möchte man denken, überlagert vom Geruch nach Diesel und Reifengummi. Doch die Bilder von Sehnsucht und weiter Ferne verschwinden sehr schnell, wenn man den Fahrern zuhört, die vor der Kamera zu erzählen beginnen. Da hat man dann ganz arme Hunde vor sich, von Terminen gehetzt, von Bestimmungen eingeschnürt und von der Polizei drangsaliert.

    Westfälische Rundschau

Credits

Ein Film von
Petra Höfer
Freddie Röckenhaus
Kamera:
Thomas Schäfer
Schnitt:
Jörg Wegner
Redaktion:
Michael Geyer (Radio Bremen)

Related Films