Tropenfieber


(2) Mission Südland - Bougainville entdeckt Tahiti

Als Louis-Antoine de Bougainville 1766 von Nantes in Frankreich mit dem Expeditionsschiff „La Boudeuse“ aufbrach, hatte der gelernte Mathematiker und Diplomat den festen Vorsatz, als einer der ersten Menschen die Welt zu umsegeln. Noch immer war nicht überall akzeptiert, daß die Welt eine Kugel sei. Als Bougainville am 5. April 1768 Tahiti entdeckte, war dies die Rettung vor dem sicheren Tod. Und für den schöngeistigen Bougainville ein Wendepunkt in seinem Denken. Tahiti war für Bougainville und seine ausgehungerten Männer nichts weniger als das wiederentdeckte Paradies auf Erden. Das Schlaraffenland von Tahiti und die Freizügigkeit der Sexualität im immerwährenden Sommer der Südsee verdrehten dem Franzosen den Kopf. Erst als der Häuptling der Tahitianer den Gästen verständlich machte, daß seine Gastfreundschaft nicht auf Dauer gelte, kehrte Bougainville zu europäischem Pflichtenbewußtsein zurück.

Die Weiterreise durch die völlig unbekannten Atolle, Riffe und Untiefen der Südsee freilich schickte Bougainville und seine Mannschaft erneut in höchste Gefahren. Unter paradiesischer Sonne quälten Hunger und Skorbut die Franzosen. Und stündlich mußten sie auf den unberechenbaren, gänzlich unkannten Korallenriffs mit dem Leckschlagen ihres Schiffes rechnen. Am Great Barrier Reef drehte Bougainville entnervt nach Norden ab – er wäre sonst als Entdecker Australiens in die Geschichte eingegangen. So aber blieb Bougainville nur der sanfte Nachruhm, einer der beliebtesten Blumen, den Bougainvilleen, seinen Namen gegeben zu haben.

Im Jahr 2003 verdient der Franzose Teva Sylvain, geboren in Papeete, der geschäftigen Hauptstadt von Tahiti, sein Geld mit Fotos von halbnackten Insulanerinnen vor Postkarten-Kulisse. Sylvains Fotos sind überall, an jedem Kiosk und auf jedem Zuckerwürfel im Cafe. Seit die französischen Truppen aus Polynesien weitgehend abgezogen sind, gehen die Geschäfte mit den harmlosen Fotos im Evaskostüm nicht mehr so gut, aber das Leben im Paradies ist Sylvain geblieben.

Auf der Insel Bougainville, die nach dem Entdecker benannt ist, und die zu Papua-Neuguinea gehört, herrschte dagegen mehr als zehn Jahre Bürgerkrieg. Noch immer ist der Ausnahmezustand verhängt. Der Streit um die gigantische Gold- und Kupfermine Panguna hat die Zentralregierung, einheimische Landbesitzer, Tagelöhner und die ausländischen Minen-Betreiber in eine blutige Auseinandersetzung getrieben, bei der mindestens 10.000 Menschen getötet wurden – zehn Prozent der Inselbevölkerung. Viele Tausende mußten fliehen. So auch Surei Stevenson. Die Kamera begleitet sie bei ihrer Rückkehr in die einstige deutsche Kolonie Bougainville, die nach 15 Jahren des wirtschaftlichen Stillstands fast überall in einen paradiesischen Zustand zurück versetzt scheint. Außer dort, wo die Guerillas ihr Territorium zäh verteidigen.

Die Weiterreise durch die völlig unbekannten Atolle, Riffe und Untiefen der Südsee freilich schickte Bougainville und seine Mannschaft erneut in höchste Gefahren. Unter paradiesischer Sonne quälten Hunger und Skorbut die Franzosen. Und stündlich mußten sie auf den unberechenbaren, gänzlich unkannten Korallenriffs mit dem Leckschlagen ihres Schiffes rechnen. Am Great Barrier Reef drehte Bougainville entnervt nach Norden ab – er wäre sonst als Entdecker Australiens in die Geschichte eingegangen. So aber blieb Bougainville nur der sanfte Nachruhm, einer der beliebtesten Blumen, den Bougainvilleen, seinen Namen gegeben zu haben.

Im Jahr 2003 verdient der Franzose Teva Sylvain, geboren in Papeete, der geschäftigen Hauptstadt von Tahiti, sein Geld mit Fotos von halbnackten Insulanerinnen vor Postkarten-Kulisse. Sylvains Fotos sind überall, an jedem Kiosk und auf jedem Zuckerwürfel im Cafe. Seit die französischen Truppen aus Polynesien weitgehend abgezogen sind, gehen die Geschäfte mit den harmlosen Fotos im Evaskostüm nicht mehr so gut, aber das Leben im Paradies ist Sylvain geblieben.

Auf der Insel Bougainville, die nach dem Entdecker benannt ist, und die zu Papua-Neuguinea gehört, herrschte dagegen mehr als zehn Jahre Bürgerkrieg. Noch immer ist der Ausnahmezustand verhängt. Der Streit um die gigantische Gold- und Kupfermine Panguna hat die Zentralregierung, einheimische Landbesitzer, Tagelöhner und die ausländischen Minen-Betreiber in eine blutige Auseinandersetzung getrieben, bei der mindestens 10.000 Menschen getötet wurden – zehn Prozent der Inselbevölkerung. Viele Tausende mußten fliehen. So auch Surei Stevenson. Die Kamera begleitet sie bei ihrer Rückkehr in die einstige deutsche Kolonie Bougainville, die nach 15 Jahren des wirtschaftlichen Stillstands fast überall in einen paradiesischen Zustand zurück versetzt scheint. Außer dort, wo die Guerillas ihr Territorium zäh verteidigen.

Facts

Erstausstrahlung: Sonntag, 14. September 2003, 19.30 Uhr, ZDF

    test
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    „Wer annimmt die Tropen seien ein reines Paradies, wird mit der dreiteiligen Reportage von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus eines Besseren belehrt: tödliche Krankheiten, erdrückende Schwüle, heimtückische Insekten.“

    WELT am Sonntag

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    „Re-inactments (die Darstellung historischer Handlungen ohne Dialoge) sind bei ZDF-Expedition üblich. Aber was Höfer und Röckenhaus mit einem Budget von 200.000 Euro pro Folge umgesetzt haben, beansprucht Spielfilmqualität – und erreicht sie erstaunlich oft.“

    Süddeutsche Zeitung

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    „In geschichtsmalerischen Spielfilmsequenzen setzten die Autoren die atemberaubenden Ereignisse in Szene: die Durchquerung des Urwalds, die Erkundungsfahrt der „Victoria“, der legendäre Kampf mit den Amazonen, der Ausrottungsfeldzug gegen die Ureinwohner – Spannungsdramatik im Stile Hollywoods. Dazwischen in kontrapunktierender Brechung das Gegenwärtige: der Forscher Marc van Roosmalen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den brasilianischen Regenwald zu retten. Ein informativer Report voller Kontraste.“

    Sächsische Zeitung

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    „Kino-Bilder“

    Neue Westfälische

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    „Die Autoren haben sich auf ein Experiment eingelassen: Sioe arbeiteten bei der umsetzung der Spielhandlungen mit einem Adapter, der es ermöglicht, auch digitalen Videokameras Objektive aufzusetzen, die man bisher nur bei Filmkameras verwenden konnte. Dergestalt realisiert wirken die Bilder, als seien sie auf 35-mm-Film gebannt.“

    Neue Zürcher Zeitung

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    „Bei diesem Hin und Her von Historie zu Aktualität bleiben interessante Fakten auf der Strecke, zum Beispiel, welche Gefahren das Amazonasgebiet heute bedrohen.“

    Stuttgarter Zeitung

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    „Zwei Handlungsebenen machen diese Reise spannend. … Die Idee diese beiden Geschichten gegeneinander zu schneiden, funktionierte. Der Film weckt so nicht nur die Historie zu neuem Leben, sondern schärfte auch das Bewußtsein für die heutigen Probleme des von der Abholzung gefährdeten Regenwaldes.“

    Weser Kurier / Bremer Nachrichten

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    „Petra Höfer und Freddie Röckenhaus haben den Schrecken der Expedition gehörig entschärft. In ihrem Beitrag Die Eroberung des Amazonas‘ in der Reihe ZDF-Expedition vorigen Sonntag lauerte die Mannschaft in den nachgestellten Szenen wie ferngesteuert an Deck.“

    Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)

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    „Gemessen an manch unfreiwillig komischen Darbietungen mit Laiendarstellern in anderen ZDF-Produktionen, können sich diese Sequenzen zwar nicht mit Werner Herzogs Fitzcarraldo‘ messen, nehmen sich jedoch weit weniger hölzern aus. … Auch der echte Amazonas kommt in dieser faszinierenden Hochglanzproduktion nicht zu kurz. Denn neben dem Rückblick auf die Eroberung des Amazonas steht hier gleichrangig der Blick auf das heutige Leben am Strom.“

    Westfälische Rundschau

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    „Bilder wie im Kino.“

    Kameramann

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    „Höfer und Röckenhaus sind renommierte und pfifffige Filmer, die ihr Thema kenntnisreich und anschaulich umsetzen … doch immer wenn man gerade richtig neugierig geworden ist auf das barfüßige Urwald-Leben Roosmalens, belästigen einen im Gegenschnitt wieder endlos die stummen Spanier mit ihrem stumpfen Blick.“

    Westdeutsche Zeitung

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    „Im Zentrum steht eine dreiteilige Serie über Entdecker, mit der Petra Höfer und Freddie Röckenhaus ein Glanzstück gelang. … Der Film lebt von nachgespielten Szenen, in denen brasilianische Schauspieler einen Enthusiasmus an den Tag legen, der staunen lässt. Die Begeisterung ist ansteckend, die Spannung groß.“

    Kölner Stadtanzeiger

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    „Aufwendige Spielszenen und atemberaubende Aufnahmen von frühen Entdeckern, heutigen Tropenhelden und ihren abenteuerlichen Reisen. … Eine lehrreiche und spannende Reise!“

    Lausitzer Rundschau

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    „Nachgestellte Szenen von einst kontrastieren effektvoll mit der engagierten Arbeit und dem beherzten Einsatz heutiger Wissenschaftler und Naturschützer. … Das spannend gestaltete Tropenfieber‘ steckt an.“

    Neue Osnabrücker Zeitung

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    „Die Mischung aus nachgestellten und historischen Szenen bietet einen guten Einblick in die ambivalente Welt der tropen, in der Schönheit und Gefahr so eng beieinander liegen.“

    Kölnische Rundschau

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    „Das Herzstück des Programmschwerpunkts: ein neu produzierter Dreiteiler der Reihe „ZDF-Expedition“. Die Filme des renommierten Dokumentarfilm-Autorenduos Petra Höfer und Freddie Röckenhaus zeichnen die historischen Reisen der Eroberer nach. … Die Magie der Tropen wird sinnlich und hintersinnig ins Bild gerückt‘, sagt ZDF-Kulturchef Hans Helmut Hillrichs.“

    Rheinische Post

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    „Mit eindrucksvollen Landschaftsbildern, historischen Hintergründen und den Problemen der heutigen Generation ist Höfer und Röckenhaus eine Mischung gelungen, die die Tropen zeigt, ohne den Mythos zu entzaubern.“

    Neue Ruhr Zeitung (NRZ)

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    „Die Autoren Petra Höfer und Freddie Röckenhaus begleiten Roosmalen auf seinem Schiff und haben darüber hinaus die Konquistadoren-Abenteuer des 16. Jahrhunderts szenisch rekonstruiert.“

    Westfälische Nachrichten

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    „In schönem Kontrast zu diesen reich bebilderten Legenden stehen Berichte über die Gegenwart der Tropen. Höfer und Röckenhaus haben Regenwaldforscher bei der Arbeit beobachtet und Eingeborene in ihrem Alltag. Vielleicht sind gerade diese eindringlichen Beobachtungen der eigentliche Genuß, der den Zuschauer erwartet.“

    Der Tagesspiegel

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    „Neben der in kinoreifen Szenen geschilderten Reise des Francisco de Orellana zeigt die brillante Dokumentation von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus noch einen modernen Eroberer des Amazonas, den holländischen Primatenforscher Marc van Roosmalen. … Eine erstklassige Doku, die Sonntag fortgesetzt wird.“

    Leipziger Volkszeitung

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    „Auch heute gelten die Gebiete beiderseits des Äquators als irdischer garten Eden. Dass die Tropen jedoch viel mehr waren und sind, beweist das ZDF in der Reihe Tropenfieber‘.“

    Thüringer Allgemeine

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    „Es ist ein Glücksfall, dass im ZDF-Programm am frühen Sonntagabend ein Termin für kulturhistorische Themen bereit steht. … Zwei schwergewichtige Themen, die eigentlich jeweils einen eigenen Film verdient hätten.“

    Augsburger Allgemeine

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    „Dreimal taucht die ZDF-Expeditionsreihe Tropenfieber‘ in exotische Abenteuer von gestern und heute ein.“

    Freie Presse Chemnitz

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    „Jeder der drei Filme besteht aus zwei Handlungsebenen: Der historische Erzählstrang beschreibt mit nachgestellten Szenen die Strapazen, die Entdecker und Eroberer vor mehreren Jahrhunderten auf sich genommen haben. In der Gegenwart begleitet das Team im Auftaktfilm Die eroberung des Amazonas‘ einen Zoologen und Naturschützer, der in Amazonien praktisch täglich neue Tierarten entdeckt und in ständigem kampf um die Erhaltung des Regenwaldes mit den brasilianischen Behörden liegt.“

    Die WELT

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    „Geschichte als filmisches Abenteuer, fesselnd und detailreich erzählt.“

    Westdeutsche Allgemeine (WAZ)

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    „Das Duo Höfer/Röckenhaus ist vor allem mit Mondän!‘, einer Safari durch die Domizile des europäischen land- und Geldadels populär geworden. Die Dreharbeiten für Tropenfieber‘ dürften weniger angenehm gewesen sein.“

    Südkurier

Credits

Buch, Regie, Produktion: Petra Höfer und Freddie Röckenhaus

Darsteller: Christophe Houbé (Louis-Antoine de Bougainville), Guillaume Gay (Schiffsarzt Commerson), Christophe Nogaro (Schiffs-Astronom Veron), Etienne Cannavo (Prinz Nassau-Siegen)

Kamera: Johannes Imdahl, Thomas Schäfer

Schnitt: Jörg Wegner

Producer vor Ort: Leo Wery, Gisela Kaufmann, Lilliana Gibbs

Sprecher: Benjamin Völz

Redaktion: Alexander Hesse (ZDF)

Eine Produktion von colourFIELD

Alle Credits

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