Die Erbsenzähler


Geheimauftrag: Marktforschung

Von Meinungen über Gewürzgurken bis zu Erfahrungen mit Damenbinden, von den Marktanteilen für EG-Bananen bis zu den Einschaltquoten der Tagesschau: Nie zuvor ist der deutsche Verbraucher so akribisch ausgeforscht worden wie heute. Europas größter Marktforscher, die „Gesellschaft für Konsumforschung“ in Nürnberg, kurz GfK, boomt wie kaum ein Unternehmen im Lande.

Die Erbsenzähler der Marktwirtschaft tragen mehr Informationen über die Deutschen zusammen als Bundeskriminalamt, Konzerne oder Parteien. Die Computerdaten des GfK-Rechenzentrums würden 250 Millionen DIN A4-Seiten füllen – Tendenz unaufhörlich steigend. 
Fast 50.000 deutsche Haushalte notieren für die GfK Woche für Woche all ihre Einkäufe. Von Hand oder mit einem „elektronischen Tagebuch“, einem speziell entwickelten Datenstaubsauger. Zusätzlich sind mehr als 6000 Interviewer pausenlos unterwegs, um den Konsumenten in Gesprächen voll unfreiwilliger Komik die letzten Geheimnisse zu entlocken. In 3800 Haushalten mißt die GfK rund um die Uhr, welche Fernsehprogramme gesehen werden, und erstellt die bekannten Einschaltquoten.

Und im Testmarkt Haßloch, einer pfälzischen 20.000-Einwohner-Gemeinde, weiß die GfK, dank elektronischer Erfassung, bis zum letzten Kaugummi, was die Haushalte einkaufen, wieviel sie wofür ausgeben, welche Supermärkte sie bevorzugen und auf welche Werbespots sie am liebsten hereinfallen. 
Doch was nach besinnungsloser Erbsenzählerei aussieht, ist bei den Auftraggebern der Industrie gefragt wie nie. Manager trauen sich ohne die Marktforschung immer seltener Entscheidungen zu. Und auch Politiker bedienen sich der endlosen Erkenntnisse aus Nürnberg. Denn Wahlen gewinnt nur, wer die wirklichen Wünsche der Deutschen kennt – und niemand kennt sie so gut, wie die Erbsenzähler aus Nürnberg.

Die Erbsenzähler der Marktwirtschaft tragen mehr Informationen über die Deutschen zusammen als Bundeskriminalamt, Konzerne oder Parteien. Die Computerdaten des GfK-Rechenzentrums würden 250 Millionen DIN A4-Seiten füllen – Tendenz unaufhörlich steigend. 
Fast 50.000 deutsche Haushalte notieren für die GfK Woche für Woche all ihre Einkäufe. Von Hand oder mit einem „elektronischen Tagebuch“, einem speziell entwickelten Datenstaubsauger. Zusätzlich sind mehr als 6000 Interviewer pausenlos unterwegs, um den Konsumenten in Gesprächen voll unfreiwilliger Komik die letzten Geheimnisse zu entlocken. In 3800 Haushalten mißt die GfK rund um die Uhr, welche Fernsehprogramme gesehen werden, und erstellt die bekannten Einschaltquoten.

Und im Testmarkt Haßloch, einer pfälzischen 20.000-Einwohner-Gemeinde, weiß die GfK, dank elektronischer Erfassung, bis zum letzten Kaugummi, was die Haushalte einkaufen, wieviel sie wofür ausgeben, welche Supermärkte sie bevorzugen und auf welche Werbespots sie am liebsten hereinfallen. 
Doch was nach besinnungsloser Erbsenzählerei aussieht, ist bei den Auftraggebern der Industrie gefragt wie nie. Manager trauen sich ohne die Marktforschung immer seltener Entscheidungen zu. Und auch Politiker bedienen sich der endlosen Erkenntnisse aus Nürnberg. Denn Wahlen gewinnt nur, wer die wirklichen Wünsche der Deutschen kennt – und niemand kennt sie so gut, wie die Erbsenzähler aus Nürnberg.

Facts

Erstausstrahlung: 28.9.1994, 21.45 Uhr, ARD
45 Minuten
Nominierung (Endauswahl) Grimme-Preis 1995
Einschaltquoten bei der Erstsendung: 3,45 Mio. / 13,5 % Marktanteil
Weitere Ausstrahlungen: 3 Sat, Nord 3, Hessen 3, Südwest 3

    test
  • Feedback

    Beim steten Lauschangriff wird der brave Bürger bis zum letzten Winkel seiner Vorratskammer durchleuchtet. Das belegt der Report von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus eindrucksvoll. Die Autoren trugen eine Fülle von Fakten zusammen, montierten sie zu einem flotten, informativen Bericht.

    Berliner Morgenpost

  • Feedback

    In ihrem Feature geben Petra Höfer und Freddie Röckenhaus interessante Einblicke in eines der größten Marktforschungsunternehmen, die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Minutiös und detailreich dokumentiert das Feature die Vorgehensweise der informellen GfK-Mitarbeiter. Sie sind erstaunlich willkommen bei den "mündigen Bürgern", die sich hier bereitwillig zum Info-Deppen machen lassen.

    taz

  • Feedback

    Interessanter als die Präsentation elektronischer Erfassungs-Gimmicks war das Motiv des Forchheimer Bürgermeisters für eine GfK-Studie. Daß ein Kaufhaus die Innenstadt aufwerten würde, wußte er bereits vorher, doch einem Gutachten "ist der Stadtrat eher bereit zu folgen".

    Frankfurter Rundschau

  • Feedback

    Mit ihrer Idee, die GfK auszuforschen, bewiesen Höfer und Röckenhaus einen guten Instinkt für Schauplätze, an denen sich Reiz und Irrwitz der Konsumgesellschaft konzentrieren und die Logik des Marktes gleichsam implodiert. Petra Höfer und Freddie Röckenhaus lieferten mit ihrem Feature "Die Erbsenzähler" ein hübsches Stück absurden Realismus.

    Die ZEIT

Credits

Ein Film von:
Petra Höfer
Freddie Röckenhaus
Kamera:
Martin Schmitz
Schnitt:
Miriam Peter
Redaktion:
Elmar Hügler (Radio Bremen)

Related Films