Alp-Träumer


Als Aussteiger auf einer Schweizer Alm

Bis vor vier Jahren war Arnim Braun EDV-Manager bei der BASF in Ludwigshafen. Alles im grünen Bereich, eine Karriere wie aus dem Bilderbuch. Braun hat als Manager seine 12- bis 14-Stunden-Tage durchgezogen, jede Menge Geld verdient und in der Freizeit Sport getrieben bis zum Umfallen – gegen die merkwürdige Langeweile. Heute lebt Braun als Senner auf einer Schweizer Alm. 
Brauns Elternhaus war wohlhabend und wohlgeordnet. Schule, Abitur, Studium, erfolgreiche Starthilfe durch den Vater. Arnim Brauns Laufbahn war immer logisch und immer vorbestimmt. Wie auf Schienen glitt er durchs Leben.

Bis zu dem Tag vor vier Jahren. Braun hat seinen Arbeitsplatz beim Chemie-Konzern gekündigt, sich von seinem Freundeskreis verabschiedet, den festen Wohnsitz in Ludwigshafen aufgegeben. Letzter fester Arbeitsplatz: Als Knecht auf einem Ökobauernhof bei Frankfurt am Main. 
Die Winter verbringt Arnim Braun seither mit Schuhmachern und Gelegenheitsjobs. Zwischen Mai und September aber lebt Braun wirklich auf. Auf 1800 Metern Höhe, zwischen den Bergen von „Heidiland“ in der Schweiz. Brauns Tage beginnen um 4.30 Uhr bei flackerndem Kerzenlicht.

18 Stunden später kracht der frühere Steuerexperte erschöpft auf ein einfaches Matratzenlager. 18 Stunden, in denen er 40 Kühe gemolken, sechs Schweine und fünf Hühner versorgt und sieben bis neun Bergkäse produziert hat – als Senner auf der Schweizer Büdemji Alm. 
Rein ökonomisch betrachtet besteht Arnim Brauns Lebenszweck darin, gemeinsam mit anderen Austeigern Sommer für Sommer rund vierhundert Bergkäse herzustellen, jeder vier bis sechs Kilo schwer. Aber das rein ökonomische hat Braun in seinem Leben aufs notwendigste zurückgedrängt. Fast alle Alm-Kolleginnen und -kollegen sind inzwischen Frauen und Männer wie Arnim Braun: Zivilisationsmüde Städter, Idealisten, Träumer, Aussteiger wie er selbst.

Für kaum mehr als ein Taschengeld plagen sie sich jeden Sommer in den Alpen ab, weil sie sich in ihrem früheren Leben nicht mehr zu Hause fühlten und ihnen der Verzicht auf die materiellen Trostpflaster des modernen Lebens beinahe als Läuterungsakt vorkommt. 
Ganz nebenbei wäre die Almen-Wirtschaft heutzutage nicht mehr aufrechtzuerhalten ohne die Aussteiger aus den Städten. Denn die Kinder und Enkel der Bergbauern wollen die Arbeit wegen zu großer Anstrengungen längst nicht mehr machen.

ALP – TRÄUMER dokumentiert den Alltag auf der Büdemji Alp, die körperliche Plackerei, die Abgeschiedenheit, die umwerfende Bergkulisse für ein „einfaches“ Leben, bei dem der Solarstrom immer für die Melkmaschine reicht, aber nie für eine warme Dusche oder eine Leselampe. Die Filmkamera begleitet mit Arnim Braun einen Aussteiger, der es nur auf diese radikale Methode geschafft hat, das Durchschnittsleben zu verlassen, zu dem ihn seine Herkunft, seine Umgebung und nicht zuletzt sein dominanter, bestimmender Vater vorbestimmt hatten. 
Ein Film über Bergbauern, Milchpreise und Lebenskrisen. Über penible Hygiene, das Handwerk des Käsers, über entspannende Bäder im Molkebottich und eine landwirtschaftliche Subkultur. Über harte Arbeit und Alpenpanorama als Therapie für enttäuschte Wohlstandskinder. Ein Film zwischen Heimatfilm-Kulisse und den gesellschaftskritischen Off-Kommentaren eines Mittdreißigers, der seine Midlifecrisis beinahe überwunden hat.

Bis zu dem Tag vor vier Jahren. Braun hat seinen Arbeitsplatz beim Chemie-Konzern gekündigt, sich von seinem Freundeskreis verabschiedet, den festen Wohnsitz in Ludwigshafen aufgegeben. Letzter fester Arbeitsplatz: Als Knecht auf einem Ökobauernhof bei Frankfurt am Main. 
Die Winter verbringt Arnim Braun seither mit Schuhmachern und Gelegenheitsjobs. Zwischen Mai und September aber lebt Braun wirklich auf. Auf 1800 Metern Höhe, zwischen den Bergen von „Heidiland“ in der Schweiz. Brauns Tage beginnen um 4.30 Uhr bei flackerndem Kerzenlicht.

18 Stunden später kracht der frühere Steuerexperte erschöpft auf ein einfaches Matratzenlager. 18 Stunden, in denen er 40 Kühe gemolken, sechs Schweine und fünf Hühner versorgt und sieben bis neun Bergkäse produziert hat – als Senner auf der Schweizer Büdemji Alm. 
Rein ökonomisch betrachtet besteht Arnim Brauns Lebenszweck darin, gemeinsam mit anderen Austeigern Sommer für Sommer rund vierhundert Bergkäse herzustellen, jeder vier bis sechs Kilo schwer. Aber das rein ökonomische hat Braun in seinem Leben aufs notwendigste zurückgedrängt. Fast alle Alm-Kolleginnen und -kollegen sind inzwischen Frauen und Männer wie Arnim Braun: Zivilisationsmüde Städter, Idealisten, Träumer, Aussteiger wie er selbst.

Für kaum mehr als ein Taschengeld plagen sie sich jeden Sommer in den Alpen ab, weil sie sich in ihrem früheren Leben nicht mehr zu Hause fühlten und ihnen der Verzicht auf die materiellen Trostpflaster des modernen Lebens beinahe als Läuterungsakt vorkommt. 
Ganz nebenbei wäre die Almen-Wirtschaft heutzutage nicht mehr aufrechtzuerhalten ohne die Aussteiger aus den Städten. Denn die Kinder und Enkel der Bergbauern wollen die Arbeit wegen zu großer Anstrengungen längst nicht mehr machen.

ALP – TRÄUMER dokumentiert den Alltag auf der Büdemji Alp, die körperliche Plackerei, die Abgeschiedenheit, die umwerfende Bergkulisse für ein „einfaches“ Leben, bei dem der Solarstrom immer für die Melkmaschine reicht, aber nie für eine warme Dusche oder eine Leselampe. Die Filmkamera begleitet mit Arnim Braun einen Aussteiger, der es nur auf diese radikale Methode geschafft hat, das Durchschnittsleben zu verlassen, zu dem ihn seine Herkunft, seine Umgebung und nicht zuletzt sein dominanter, bestimmender Vater vorbestimmt hatten. 
Ein Film über Bergbauern, Milchpreise und Lebenskrisen. Über penible Hygiene, das Handwerk des Käsers, über entspannende Bäder im Molkebottich und eine landwirtschaftliche Subkultur. Über harte Arbeit und Alpenpanorama als Therapie für enttäuschte Wohlstandskinder. Ein Film zwischen Heimatfilm-Kulisse und den gesellschaftskritischen Off-Kommentaren eines Mittdreißigers, der seine Midlifecrisis beinahe überwunden hat.

Facts

Erstausstrahlung: 2.9.1997, 22.15 Uhr, ZDF
30 Minuten
Einschaltquoten der Erstsendung: 2,57 Mio. / Marktanteil: 13,3 %

    test
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    Miriam Peter und Rüdiger Braun begleiteten den Ex-Manager Armin B. bei seiner Arbeit auf der Schweizer Alm. Und sie kamen ihm und seinen Ideen schon sehr nahe. Ein einfühlsames Portrait eines Menschen, der den Konventionen sowie der vorgegebenen Lebensbahn entflohen ist.

    Mitteldeutsche Zeitung

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    Ein schöner, runder und ruhiger Beitrag, der einfach Lust auf Fernsehen machte.

    Augsburger Allgemeine

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    In den Verweigerungsreflexen des Ex-Yuppies Armin B. in dem "37 Grad"-Film "Alp-Träumer" von Rüdiger Braun und Miriam Peter steckte die ganze Normalerfahrung von Ordnung, Berufserfolg, Konsum, Genuß und latenter Unzufriedenheit dieser letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

    AZ, Abendzeitung

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    Ein Film, der zumindest in seinen Bildern verklärend und sentimental war, aber auch nüchtern und einfühlsam - Szenen einer Selbstfindung ohne die sonst übliche psychologische Aufarbeitung und Rationalisierung. Den ZDF-Autoren gelang ein sympathisches Stimmungsbild über den Individualisten.

    Stuttgarter Zeitung

  • Feedback

    So entwarfen Dokumentaristen und Dokumentierter das illusionslose Portrait eines Menschen, der es geschafft hat, wovon viele träumen: Aussteigen, anders leben.

    Berliner Morgenpost

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    Miriam Peter und Rüdiger Braun zeigen in ihrem Film sein neues Leben als Senn auf einer Schweizer Alp: Gewissenhaft, in sich gekehrt, ruhig und sachlich. Es macht Freude, ihm zuzusehen. Es macht Freude, ihm zuzuhören.

    Rheinische Post

Credits

Ein Film von:
Petra Höfer
Freddie Röckenhaus
Kamera:
Rolf Rosendahl
Jens Koch
Schnitt:
Miriam Peter
Redaktion:
Günter Myrell (ZDF)

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