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Als Berit aus Bochum, 26 Jahre alt, nach der Geburt ihr Söhnchen Finn auf den Bauch gelegt bekam, ahnte sie gleich, dass etwas total schiefläuft. "Da waren gar keine Muttergefühle. Ich habe ihn
nicht mal als meinen Sohn betrachtet." Ein paar Tage später, wieder zu Hause, stand Berit am Rande des Zusammenbruchs: "Sobald ich fünf Minuten allein war dachte ich: Mein Mann muß allein
erziehen. Ich setzte mich jetzt ins Auto und fahre vor einen Baum. Ich komme nie wieder zurück."
Für die verzweifelte Lage von Berit und zahlosen anderen Frauen hat die Psychiatrie einen Fachbegriff: "Postpartale Depression". Eine Erkrankung, die aus heiterem Himmel jede junge Mutter
treffen kann und die in seltenen Extremfällen zur Katastrophe führt - zu Selbstmord, verwahrlosten Säuglingen und Kindstötung. Doch auch ohne solche dramatischen Auswirkungen ist die
postpartale Depression ein Martyrium für die Mütter. Denn zusätzlich zu dem Schmerz, das eigene Neugeborene nicht lieben zu können, kommen die Schuldgefühle, keine "gute Mutter" zu sein.
"Kein Gefühl fürs Baby" begleitet die 26jährige Berit und ihren 3 Monate alten Sohn Finn und die 25jährige Lena mit der kleinen Emilia dabei, die Erkrankung zu meistern - und bei der mühsamen
Aufgabe, das eigene Kind lieben zu lernen. Beide Frauen sind in der Mutter-Kind Einheit im Westphälischen Zentrum für Psychiatrie in Herten gelandet, und werden von Dr. Luc Turmes und
seinem Team behandelt. Lena wurde vorher von ihrem Lebensgefährten Marc nach einem Selbstmordversuch gerade noch rechtzeitig gefunden. Sie schämt sich dafür, dass sie einmal vergessen
hat, Emilia zu füttern. Mutig bekennen sich die beiden intelligenten jungen Frauen zu ihrer Erkrankung, die mit jeder Menge Tabus belegt ist und deshalb häufig verschwiegen und schmerzvoll
verdrängt wird. Experten sagen, dass etwa 15 Prozent der deutschen Mütter mehr oder minder stark an postpartaler Depression leiden - zwischen 80. und 120.000 Frauen pro Jahr. Aber wer
will schon als Rabenmutter gelten?
Dass es dabei fast jede Frau treffen kann, belegt der Fall von Susanne, 40 Jahre. Susanne, selbst Frauenärztin, hatte Dutzende von Frauen bei Schwangerschaft und Geburt begleitet. Bis sie
ihr erstes eigenes Kind bekam - und in die Depression verfiel. Wenn ihr Mann die Wohnung verließ, verfiel sie in Panik - allein mit Töchterchen Clara. Susanne hat den Alptraum inzwischen
überwunden. Berit und Lena kämpfen noch darum, dass der Horrortrip zwischen Scham- und Schuldgefühlen wieder aufhört. Ein Film darüber, dass das Leben kein Werbespot ist - und das
Tabufeld "Mutterliebe" neu definiert werden muß.
Wenn die Krankenkassen die Kosten nur für die Behandlung der Müttter übernehmen, springt Dr. Luc Turmes mit dem von ihm gegründeten Förderverein "Bei Aller Liebe" ein und deckt die
Kosten für die Betreuung der Babies.
Näheres zum Verein und die Spendenkontonummer finden Sie unter:
Förderverein "Bei Aller Liebe" - Verein der Freunde und Förderer der psychiatrisch-psychotherapeutischen Mutter-Kind-Behandlung im Ruhrgebiet e.V.
www.beiallerliebe-verein.de
Weitere Informationen und Hilfe finden sie unter:
Selbsthilfegruppe für postpartal erkrankte Frauen "Schatten und Licht"
www.schatten-und-licht.de
Westfälisches Zentrum Herten - Mutter-Kind-Einheit
www.psychiatrie-herten.de
Marcé-Gesellschaft - Fachgesellschaft für Postpartale seelische Störungen
www.marce-gesellschaft.de
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